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Verfasser:
Roland Plank
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Die Schleusen und der "Kulturpfad" von Nome
Wir sind auf unserer Kanalreise von Övre (der oberen)
Telemark schon nach Mittel-Telemark gelangt, das in etwa das
Gebiet der Gemeinden Nome, Bö und Drangedal umfaßt. Nome ist
diejenige Gemeinde, die die Bezeichnung "Kanalkommune" für
sich beansprucht - mit einem gewissen Recht, liegen doch
sämtliche Schleusen- und Dammanlagen des Bandak-Kanals
innerhalb ihrer Grenzen.
Die Schleuse von Hogga mit ihren zwei Kammern ist die erste,
und unterhalb davon ist der mit wuchtigen behauenen
Felsblöcken eingefaßte Kanal vom Flußlauf durch eine
bewaldete Insel getrennt. Damit beginnt der
lieblich-idyllische Teil der Kanalreise. Kurz darauf folgen
die Schleusen von Kjeldal und Lunde. Bei Kjeldal können wir
noch einen der früher üblichen "Nadeldämme" bewundern,
mittels derer einst primitiv, aber wirksam der Wasserabfluß
reguliert wurde. Die "Nadeln" waren in Wirklichkeit ziemlich
kräftige, vierkantig gesägte Stämme, die, senkrecht in einem
Rahmen stehend, einzeln gehoben und wieder abgesenkt werden
konnten und dadurch mehr oder weniger Wasser durchließen.
In Ulefoss, dem Hauptort der Gemeinde, ist direkt bei der
Schleuse ein interessantes kleines Museum (Kanal- og
jernutstilling) eingerichtet worden, wo unter anderem die
Funktionsweise dieser wie auch der heute üblichen
"Gummidämme" am Modell demonstriert wird. Aber bevor wir
dorthin kommen, erleben wir nach ruhiger Fahrt durch
beschauliche Hügellandschaft mit verstreuten Häfen und einem
Wechsel von Wald, Wiesen und Äckern den Höhepunkt der
Kanalstrecke: die Schleusen von Vrangfoss.
Für die Fortsetzung unserer Radtour bietet sich das kleine
Sträßchen auf der Nordseite des Kanals an (kaum
Autoverkehr), das bei den Vrangfoss-Schleusen den Kanal
überquert, um sich kurz darauf mit der Hauptstraße zu
vereinigen.
Ganz gleich, ob wir die eine oder die andere Straße gewählt
haben oder aber mit einem der Kanalschiffe unterwegs sind,
in jedem Fall lohnt es sich, bei Vrangfoss auszusteigen und
sich den Vorgang des Schleusens und die Anlagen selbst in
Ruhe als Spaziergänger anzuschauen.
Eine weitere Möglichkeit (für Leute mit etwas mehr Zeit):
ein Spaziergang entlang dem "Kulturpfad", der von der
Schleuse in Ulefoss (Kanalausstellung) über Ulefoss
Hovedgaard (1807 von Minister Niels Aall als Jagdschloß im
Empirestil erbaut, heute Museum mit alten Pferdekutschen,
schöne Parkanlage), weiter über bewaldete Hügel mit
wechselnder Aussicht auf die Kanallandschaft und schöne,
gut erhaltene Holzhäuser im Schweizerstil bei Lanna führt.
Zuguterletzt führt der Pfad zu den Schleusenanlagen von
Eidsfoss und Vrangfoss mit einer ganzen Reihe von sehr schön
restaurierten Bauwerken aus der Jugendzeit des Kanals:
Schleusenwärterhäuser, Wachbuden, Schmiede, Sägewerk und die
alten Anlegestege und Lagerschuppen.
Der Weg von Ulefoss bis Vrangfoss ist etwa 5 km lang und
vermittelt auf mehreren Informationstafeln einiges über die
Kulturlandschaft am und um den Kanal bei Lunde und Ulefoss.
(Rückfahrt mit der "Victoria" oder "Henrik Ibsen" möglich).
Die Schleusen waren zum Teil in den Fels gesprengt,
teilweise aus kräftigen handbehauenen Felsblöcken
"gemauert". Die Sprengungen selbst konnten zwar bereits mit
Dynamit ausgeführt werden, aber die Bohrungen im Fels - das
war immer noch "echte" Handarbeit (soll heißen: echte
Schinderei). Je zwei Mann schlugen abwechselnd mit einem
Fäustel (großer schwerer Hammer) auf den Bohrer, den ein
dritter Mann gut festhalten und dabei zwischen jedem Schlag
ein Stück drehen mußte.
Die Steinblöcke, aus denen Dämme, Schleusenwände und die
sogenannten "ledeskjermer" (Leitschirme, das heißt Mauern,
die für eine Beruhigung der Strömungsverhältnisse an den
Schleusenein- und ausfahrten sorgten) gefügt wurden, mußten
sehr paßgenau gearbeitet werden. Die Anlagen sollten ja
dicht werden. Wo dies nicht gelang, wurde ein spezieller
Torf zum Abdichten benutzt. Beton war schon bekannt, hatte
aber noch nicht ganz das Vertrauen der verantwortlichen
Ingenieure gewonnen. Die acht Meter hohen hölzernen
Schleusentore waren so konstruiert, das sie bei aller
Stabilität, die notwendig war, um dem Wasser- und Eisdruck
standzuhalten, dennoch mit bloßer Muskelkraft geöffnet und
geschlossen werden konnten - und auch heute werden sie noch
in gleicher Weise bedient! Das Geheimnis der Bewegung haben
wir alle in der Schule kennengelernt. Es lautet: Kraft x
Arm. Die praktische Umsetzung dieses physikalischen Prinzips
bei den Schleusentoren nennen die Norweger "jekkespett".
Wir verlassen den Kanal wieder und machen noch einmal kleine
Abstecher nach Norden (nach B” und Seljord) und Süden (Drangedal).
©Roland Plank
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