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Roland Plank
Verfasser: Roland Plank

Von Bibern und Menschen

Es gibt heute in Südnorwegen, genauer gesagt vor allem in Aust-Agder, Vest-Agder und Telemark, wieder sehr viele Biber (nachdem sie auch hier fast ausgerottet waren). Sie sind bestimmt die interessanteste von allen in Südnorwegen lebenden Tierrassen. Es war daher nur konsequent, diese Attraktion in Fyresdal und einigen anderen Orten den interessierten Touristen zugänglich zu machen, indem sogenannte Biber-Safaris angeboten wurden. Bei diesen Gruppen-Führungen durch die Biber-Reviere sind nur äußerst selten Biber gesichtet worden. Aber die Führer solcher "Safaris" können uns all das Wissen vermitteln, das wir benötigen, wenn wir danach selbständig Biber beobachten und ihre Lebensweise studieren wollen.

Biberbau in Fyresdal (Telemark) Am besten läßt sich der Biber in lauen Sommernächten beobachten. Aber da dieses Tier äußerst scheu und vorsichtig ist, gilt es, sich mindestens ebenso vorsichtig anzuschleichen. Wenn es auf dem See einen lauten "Platsch" macht, dann war erst einmal alles umsonst. Denn dann hat einer der Biber etwas bemerkt und mit einem lauten Schlag seines kräftigen Schwanzes auf das Wasser seine Familienangehörigen gewarnt, um danach selbst unterzutauchen.

Biber sind monogam und leben in Familien mit bis zu sechs Jungen zusammen. Dabei entwickeln sie Verhaltensweisen, die sehr an die einer norwegischen Mittelschichtfamilie erinnern. Sie bauen ein Haus, grenzen ihren Besitz gegen andere ab, betreiben Zukunftsvorsorge, indem sie bereits im Herbst einen ordentlichen Wintervorrat an Birken- und Espenzweigen in den "Eisschrank" legen. Sie lassen sie ganz einfach in der Nähe ihres Baus im bald zufrierenden Wasser treiben und können dann im Winter von unten her daran zupfen. (Vielleicht ist es Zufall: ich habe jedenfalls in den Häusern meiner norwegischen Freunde und Bekannten fast immer ziemlich große Tiefkühltruhen vorgefunden, und einige haben sogar richtige Kühlräume).

Ein Haus (Biberbau) genügt der Familie meist nicht, es werden oft noch weitere Bauten (Sommerhütte und Winterhütte) angelegt. Auch hier sehe ich gewisse Parallelen. Und dann sind da noch die Staudämme. Die Norweger, selbst als Meister des Staudammbaus in der Welt bekannt, geraten oft ins Schwärmen, wenn es um die Baukunst der Biber geht. Der besondere Witz der Biberstaudämme besteht darin, daß sie nicht nur unter normalen Bedingungen den Wasserstand in der richtigen Weise regulieren, sondern auch dem enormen Druck einer plötzlich auftretenden Flutwelle standhalten.

Dabei ist es vielleicht interessant festzuhalten, daß die Regulierung der Gewässer durch Biber in ökologischer Hinsicht den menschlichen Anlagen deutlich überlegen ist. Wo sich eine Biberfamilie niederläßt, gestaltet sie sich ihren Lebensraum entsprechend ihren Bedürfnissen um. Zugleich schafft sie damit anderen Tieren verbesserte Bedingungen: Enten finden Brutmöglichkeiten, Elche, Rehe und Hasen dürfen an den von den Bibern gefällten Bäumen nagen, und eine Vielfalt von Sumpf- und Wasserpflanzen sich an und in den gestauten Gewässern ansiedeln.

Selbst Waldbesitzer sollen in wohlverstandenem Eigeninteresse Biber in ihren Wäldern gewähren lassen. Denn Biber lassen den Nutzwald (Fichten und Kiefern) unberührt und fördern sogar dessen Wachstum, indem sie die Birken, Espen und Weiden fällen. Das läßt dann auch den Verlust von ein paar wertvollen Baumstämmen verschmerzen, die absterben, nachdem der Biber sie unter Wasser gesetzt hat.

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